Hierfür sei das Röntgenbild unerlässlich, da die Hufstellung an das Hufbein angepasst werden müsse. Ob ein Beschlag an sich nicht vielleicht sogar eher kontraproduktiv ist, sollte hier und bei der Hufrehe Behandlung allerdings auch bedacht werden. Konstanze Rasch spricht sich in Ihrem Buch „Diagnose Hufrehe“ gegen einen Beschlag aus. Ebenso Hiltrud Strauß. Der Huf sei eh schon genug geschädigt, außerdem werde die Hufmechanik durch ein Eisen eingeschränkt (Rasch 2010: 76,77). Insgesamt findet Rasch 15 Nachteile des Beschlags. Viel wichtiger und effektiver sei die Bearbeitung des Barhufs alle 4 bis 5 Wochen. In der akuten Entzündungsphase spricht sich Hiltrud Straßer sogar für eine leichte Hufkorrektur alle 2- 3 Tage aus! (Straßer 2003: 112).

Ist das Horn durch die Hufrehe schon stark in Mitleidenschaft gezogen, können auch Klebeschuhe oder Kunsthorn verwendet werden. Bei der Hufrehe Behandlung kann auch der Einsatz von Hufschuhen Sinn machen, besonders bei Hufrehe-Pferden, deren Hufe noch nicht allzu stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Denn sie bieten bei der vielen leichten Bewegung, die das Pferd haben sollte, ein gutes Polster bei zum Beispiel Asphalt. Mehr zu Hufbeschlag/Hufschuhe bei Hufrehe

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Bewegung bei Hufrehe?

Bei der langfristigen Hufrehe Behandlung und vor allem der Hufrehe Vorsorge spielt Bewegung eine sehr wichtige Rolle. Zum einen verbessert Bewegung den Allgemeinzustand des Pferdes (mehr Kondition, ein gesünderer Bewegungsapparat, bessere Verdauung und so weiter). Zum anderen führt die Bewegung im Huf zu einer besseren Durchblutung in der durch Hufrehe gefährdeten Region. Und die Steigerung der Durchblutung beziehungsweise der Sauerstoffzufuhr an der erkrankten Stelle ist eines der zentralen Ansatzpunkte bei der Hufrehe Behandlung und Therapie (Straßer 2010: 112).

Allerdings ist die Art der Bewegung hier entscheidend. Das Pferd in der Halle oder auf dem Platz toben zu lassen, ist bei einer Hufrehe-Erkrankung (wie bei eigentlich allen Erkrankungen) nicht angebracht. Damit Bewegung auch gleichzeitig Hufrehe Behandlung und Therapie sein kann, sollten Sie Ihr Pferd im Gegenteil eher zu Beginn (und besonders bei schlechter Kondition, Übergewicht, Konstitution) ausschließlich im Schritt und dafür länger am Stück bewegen.

Beginnen Sie bei Ihrer Hufrehe- Bewegungs-Behandlung mit 15 Minuten Schritt (1 Woche lang) und steigern Sie dann Woche für Woche so weit es Ihrem Hufrehe-Pferd gut tut. Achten Sie besonders auf „fühliges“ und vorsichtiges Gehen. Ist das Pferd fühlig, ist Ihr Hufrehe Behandlungsplan noch nicht ausgereift genug. Dann müssen Sie entweder die Bewegungsdauer reduzieren, also zum Beispiel lieber 2 x am Tag 10 Minuten als 1 x am Tag 20 Minuten, oder den Hufschutz für Ihr Hufrehe-Pferd (Eisen, Hufschuh) optimieren.

Außerdem sollten sie enge Wendungen vermeiden. Langfristig sind lange Spaziergänge an der Hand genau das richtige für ein an Hufrehe erkranktes Pferd. Das baut außerdem zusätzlich Kondition auf und Fett ab und sorgt für eine gute Durchblutung. Allerdings Vorsicht: Bewegung nicht ohne Hufrehe-Beschlag oder Hufschuhe auf Asphalt! Ideal ist ein ebener, festgetretener Wald- oder Sandboden. Wo das zum lange-geradeaus-Gehen nicht vorhanden ist, muss ein Hufschutz die nötige Federung und Polsterung ersetzen.

Wenn sowohl die Hufe als auch der Gesamtzustand Ihres Hufrehe-Pferdes es zulassen, können Sie dann nach einigen Wochen wieder anfangen Schritt zu reiten. Nach weiteren Wochen können Sie kurze Trab-Phasen einbauen. Und so weiter. Wenn Sie sich unsicher sind, wann Sie die Belastung steigern können: Lieber zu spät als zu früh. Also lassen Sie sich Zeit.

Hufbehandlung im akuten Hufrehe-Zustand

Schonung, Polsterung, Pflege (im akuten Hufrehe-Schub)

Für den akuten Hufrehe-Zustand gelten andere Gesetze als für den chronischen Zustand beziehungweise als für die langfristige Hufrehe-Behandlung. Denn bei einem akuten Hufrehe-Schub sind die knöchernen und weichen Strukturen sowie das Horn des Hufes so belastet und fragil, dass jede falsche Belastung zu weiteren Schäden führen kann. Darum ist im akuten Hufrehe-Schub vor allem darauf zu achten, dass die Verformung der Hufe und ein Absinken des Hufbeinträgers minimiert wird. Und das geht nur, wenn alle negativen Einwirkungen von außen vermieden werden. Was genau Sie beachten müssen, erfahren Sie nun:

1. Huf-Polster bei akuter Hufrehe anlegen (lassen)!

Neben den allgemeinen Verhaltensmaßregeln bei einer akuten Hufrehe, sollten die Hufe mit einem ganz speziellen Polsterverband versehen werden. Dies kann auch schon vorsorglich geschehen, wenn die Bedingungen für eine Hufrehe „günstig“ scheinen. Sinn dieses Verbandes ist, den Hufbeinträger zu entlasten und damit die Schädigung am Huf zu begrenzen. Bitten Sie doch ihren Tierarzt dieses „Sohlen-Strahl-Polster“ anzulegen. Wenn er nicht weiß, was das ist und wie es angelegt wird, haben Sie auch gleich in Indiz dafür gewonnen, dass Ihr Tierarzt vielleicht nicht spezialisiert genug für Ihr Hufrehe-Pferd ist und Sie sollten sich einen anderen suchen. Wenn er das Polster angelegt hat, können Sie ganz einfach überprüfen, ob es auch richtig angelegt wurde, indem Sie einen Finger unter den Tragrand (den äußeren, seitlichen Rand der Sohle) legen. Gelingt dies und ist zwischen Tragrand und Boden Platz, so dass der Tragrand schwebt, ist das Polster richtig angelegt. Ist dem nicht so und der Tragrand liegt plan auf dem Untergrund auf, ist das Polster nicht richtig angelegt. Dann bringt es nichts. Sie können das Polster aber auch selbst anlegen, wenn Sie sich zuvor entsprechend kundig gemacht haben. (Eine sehr gute Beschreibung plus Bebilderung der einzelnen Schritte beim Anlegen dieses Verbandes bietet das Buch „Diagnose Hufrehe“.)

2. Hufe bei akuter Hufrehe vorsichtig bearbeiten lassen!?

Laut Dr. Hiltrud Straßer sollten die Hufe beim akuten Hufrehe-Geschehen im Abstand von 2 bis 3 Tagen korrigiert werden. Denn die stark entzündeten Bereiche der Huflederhaut würden schneller wachsen als die nicht entzündeten Bereiche. „Das ungleiche Hornwachstum muss unbedingt korrigiert werden, da es immer wieder zu unphysiologischem Druck an einzelnen Stellen kommt und die Bodenparallelität des Hufbeins nicht erreicht werden kann“ (Straßer 2003: 112). Außerdem müsse die Hufform so lange in kurzen Zeitabständen korrigiert werden, bis die Entzündung abgeklungen sei und die Hufform gleichmäßig und im richtigen Winkel nachgewachsen sei.

Das klingt durchaus logisch. Dennoch wird dieses Vorgehen in anderen Fachbüchern selten erwähnt und da Sie als Pferdehalter auch gegenüber „Weißkitteln“ immer kritisch sein sollten, holen Sie sich zu diesem Thema eine zweite und gern auch noch eine dritte Meinung ein. Fragen Sie einige Tierärzte ob und wie der Huf vom Hufschmied, Hufpfleger oder Hufbearbeiter in der akuten Hufrehe-Phase korrigiert werden sollte.

3. Außen-Einwirkungen auf den Huf minimieren!

Wichtig ist bei einer Hufrehe ja nicht nur alles was den Huf direkt angeht, sondern auch alles, was auf den Huf indirekt einwirkt. Also auch, worauf der akut Hufrehe-erkrankte Huf steht: die Bodenbeschaffenheit. Laut Rasch ist ein weicher Boden und nachgiebiges Einstreu wie Sand, Späne oder Torf das Richtige für ein akut an Hufrehe erkranktes Pferd (Rasch 2010: 114). Schaffen Sie hierfür einen Raum oder einen abgetrennten Bereich des Offenstalls, der dem Pferd größtmögliche Ruhe ermöglicht. Denn das Hufrehe-Pferd darf sich nicht aufregen und dadurch zu viel bewegen und muss so viel Ruhe und Vertrauen in die Situation haben, dass es sich so viel wie möglich hinlegen mag, um die Hufe zu schonen. Dazu gehört bei Pferden, die normalerweise in Gruppenhaltung gehalten werden auch, dass sie ihre Weidegenossen zumindest sehen können. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, ist jegliche Bewegung während der akuten Hufrehe-Phase verboten (ebd.).

Quellen / verwendete Literatur:

  • Bender, Ingolf (2000): Praxishandbuch Pferdefütterung. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Blobel, Karl (2010):Telefoninterview mit Dr. Karl Blobel, Tierarzt in Ahrensburg, am 18. Mai 2011
  • Bührer-Lucke, Gisa (2010): Expedition Pferdekörper. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Gösmeier, Ina und Heüveldop, Sabine (2007): Pferde gesund und vital durch Homöopathie. Stuttgart: Müller Rüschlikon Verlag.
  • Meyer, Helmut und Coenen, Manfred (2002): Pferdefütterung. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Berlin: Parey Buchverlag.
  • Rasch, Konstanze (2010) : Diagnose Hufrehe. Stuttgart:  Müller Rüschlikon
  • Schmidt, Romo und Häusler-Naumburger, Ulrike und Dübbert, Thomas (2002): Hufrehe. Vermeidung – Früherkennung – Heilung; Cham: Müller Rüschlikon Verlag
  • The Laminitis Trust: http://www.laminitis.org/
  • Vervuert, Ingrid (2010): Telefoninterview mit Dr. Ingrid Vervuert, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diäthetik der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig am 19. Mai 2011.
  • Eigene Erfahrungen, Erfahrungen anderer Pferdehalter
  • Fritz, Christina (2012): Pferde fit füttern: Wie ich mein Pferd artgerecht ernähre. Schwarzenbek: Cadmos Verlag