Gras als Hufrehe-Auslöser?

Obwohl Fruktane als Hufrehe Auslöser im Futter teilweise umstritten sind, so haben Studien dennoch gezeigt, dass gerade übergewichtige Pferde auf einen erhöhten Fruktangehalt im Gras mit Hufrehe reagieren (Rasch 2010: 58). Natürlich ist Gras eigentlich das Grundnahrungsmittel und Haupt-Futter unserer Pferde. Warum sollte sie Gras also plötzlich Hufrehe-krank machen? Weil Gras eben nicht gleich Gras ist. Und darum nicht pauschal als Futter bei Hufrehe verwendet werden darf. Früher, als unsere Pferde noch Steppentiere waren und den lieben langen Tag auf der Steppe unterwegs waren, war ihr Futter-Gras eher karg, strukturreich und nährstoffarm. Darum mussten sie 15 bis 20 Kilometer am Tag zurücklegen, um an die Menge an Nährstoffen zu kommen, die ihr Körper benötigte:

„Das natürliche Ernährungsverhalten des Pferdes: langdauernde stetige Bewegung bei der Nahrungssuche, fortwährende Aufnahme kleiner […] Mengen verhältnismäßig wenig gehaltvoller Pflanzennahrung, ausgiebige Kautätigkeit und Futtereinspeichelung, […] Einlegen von Fresspausen nach eigenem Bedürfnis.“ (Ingolf Bender 2000: 33)

Pferd auf Wiese

Und auf eine solche Fütterung bzw. ein solches Futter scheint (auch der heutige) Pferdemagen nun einmal ausgelegt: ständige Zufuhr von kleinen Mengen nährstoffarmen Grases. Das heute vorhandene Gras als Grundlage so mancher Fütterung steht wohl meist eher im Gegenteil dazu: Heute stehen die meisten Pferde oftmals auf Hochleistungsweiden, die auf viel Energie, viele Nährstoffe und Fette für die Milchproduktion der Kühe gezüchtet sind. Das ist keine adäquate Hufrehe-Fütterung – kein gutes Futter bei Hufrehe:

Denn bei diesem Gras bekommen die Pferde in sehr viel kürzerer Zeit sehr viel mehr Nährstoffe, Energie und Fett bei wesentlich weniger Bewegung! Pferde also 24 Stunden auf fetten Weiden zu halten, kann (besonders für Pferde mit nur geringem Bedarf) ein großes Hufrehe Risiko sein. Zum einen durch die Masse des Futters an sich (bei allen Pferden), zum anderen durch die schleichende Verfettung, die dann zu Hufrehe führen kann (bei den meisten Pferden) und zum dritten, durch die Fruktane, die im Gras enthalten sind (bei Pferden, die bereits Hufrehe hatten und bei übergewichtigen Pferden, s.o.). Darum sollte bei Hufrehe-Pferden mit Gras als Futter vorsichtig umgegangen werden.

„Gerade beim Grasfutter besteht für das heutige Pferd die Gefahr der Überfütterung. […] In vielen Fällen ist es unerlässlich die Weidezeit für Pferde zu beschränken […].“ (Konstanze Rasch 2010: 38)

Das Gras von früher gibt es in der heutigen Zivilisation, in der unsere domestizierten Pferde leben, sehr selten. Früher war es karg, rohfaserreich aber nährstoffarm. Heute ist es oftmals genau das Gegenteil. Darum kann man bei der Hufrehe auch von einer Zivilisationskrankheit sprechen (Straßer 2003: 11). Früher waren unsere Pferde  Steppentiere. Sie lebten auf kargen, weiten Flächen, auf denen sie viele Kilometer am Tag zurücklegen mussten, um die Nährstoffe zu bekommen, die sie benötigten, um zu überleben und gesund zu bleiben. Das Prinzip damals: Viel Bewegung, wenig Nährstoffe. Das Prinzip heute: wenig Bewegung, viele Nährstoffe (in kurzer Zeit). Denn unsere Pferde leben meist auf „Hochleistungsweiden“, die dafür gezüchtet wurden, dass Rinder möglichst schnell möglichst viele Nährstoffe aufnehmen, um viel und gute Milch zu geben (Übrigens: auch Rinder bekommen Hufrehe!). Außerdem sind die Flächen, auf denen sich die Pferde heute bewegen – im Vergleich zum natürlichen Zustand – meist sehr klein. Das bedeutet: das Pferd bekommt viel schneller viel mehr Nährstoffe und bewegt sich dabei deutlich weniger. Das ist fatal für den Pferdeorganismus, denn dafür ist er nicht ausgelegt. Und Hufrehe ist nicht die einzige Folge dieses Überangebots. Auch Störungen im Fettstoffwechsel, EMS, PSSM, Magen-Darm-Erkrankungen, Koliken und so weiter lassen sich letztlich darauf zurückführen.

Wann Gras in Sachen Hufrehe gefährlich ist:

  1. Bei kaltem Wetter und/oder Nachtfrost (besonders bei zusätzlichem oder anschließenden Sonnenschein!)  = sehr hohe Hufrehe Gefahr! Meist Frühling und Herbst
  2. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt
  3. Bei langer Trockenheit
  4. Bei überweideten und frisch geschnittenen Weiden
  5. Wenn das Gras vor oder in der Blüte steht à Vorsicht auch beim 1. Schnitt Heu!
  6. Viel Weidelgras und Klee auf der Weide
  7. Bei zu viel Masse auf einmal
  8. Als schleichende Gefahr bei Verfettung / Übergewicht des Pferdes

Mittelmäßig stark ist die Hufrehe-Gefahr bei feucht-warmem Wetter. Gering bei bedecktem Himmel und warmen Wetter und. Da aber zu viel Gras grundsätzlich schädlich ist (Rasch 2010: 38ff), ist es wichtig, die Weidezeiten grundsätzlich stark zu verkürzen, um einer Hufrehe oder einem erneuten Hufrehe-Schub vorzubeugen.

Die Fachliteratur legt nahe, dass nicht jedes Pferd durch die in fettem Gras enthaltenen Stoffe gefährdet ist. Manche Studien lassen vermuten, dass übergewichtige Pferde eher mit Hufrehe auf diese Stoffe reagieren als normalgewichtige (Rausch 2010: 58). In diesem Fall ist dann das Übergewicht, beziehungsweise die daraus resultierende Stoffwechselstörung Auslöser der Hufrehe und nicht das Gras (Straßer 2003: 81). Dennoch, für den Halter eines Hufrehe-Pferdes ist es letztlich egal, ob er seinem Hufrehe-Pferd weniger des bei uns oft typischen Hochleistungsgrases zur Verfügung stellen darf, weil es direkt Hufrehe auslöst oder weil es dick macht und das Übergewicht dann Hufrehe auslöst. Fakt ist: zu viel „fettes“ Gras ist schlecht für ein Hufrehe-Pferd.

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Heulage / Silage gehört nicht in die Fütterung von Pferden

Heulage und Silage werden durch eine Ansäuerung mit Milchsäurebakterien haltbar gemacht. Durch diesen Prozess erhält das ehemalige Gras darüber hinaus noch mehr Energie als vorher. Darum und weil Heulage bzw Silage in Plastikfolie sehr gut und einfach herzustellen und zu lagern ist, hat es sich in den letzten Jahren in Pferdeställen stark verbreitet.

Und das, obwohl Heulage und Silage absolut ungeeignet sind für die Fütterung des Pferdes. Denn die Milchsäurebakterien verschieben das komplette Milieu sowie die ph-Werte im Verdauungstrakt. Die Fähigkeit zu verdauen wird hierdurch stark verschlechtert. Was wiederum zu einer ansteigenden Produktion an Giftstoffen führt, welche den Organismus belasten und u.a. eine Hufrehe auslösen können, aber auch zur Unfähigkeit Rohfaser aufzuspalten. Die Folge können Mangelerscheinungen, Müdigkeit und Koliken sein.

Konzentrierte Futtermittel als Auslöser von Hufrehe

Konzentrierte Futtermittel sind das Gegenteil dessen, was ein Pferd in freier Natur zu sich nehmen würde, und damit auch das Gegenteil dessen, worauf sein Verdauungstrakt eingestellt ist. Denn dieser ist konzipiert für viel Rohfaser und wenig Energie bei großer Menge in langer Zeit. Konzentrierte Futtermittel sind, wie der Name schon sagt, ein Konzentrat: Sie haben also sehr wenig Rohfaser, dafür sehr viel Energie, sehr wenig Masse in sehr kurzer Zeit.

Mit anderen Worten: konzentrierte Futtermittel sind „leicht verdaulich“.

Was aber in Hinsicht auf unsere menschliche Verdauung manch einem sehr positiv anmuten mag, ist in Hinsicht auf die pferdische Verdauung schlecht, da der Verdauungstrakt des Pferdes ja auf Schwer-Verdauliches ausgelegt ist: Nicht wie bei uns und Hunden wird die Nahrung im Magen aufgeschlossen sondern der größte Teil erst im Darm.

Dieses nicht-artgerechte Futtermittel bringt den ganzen Verdauungsapparat, seine ph-Werte und sein Milieu aus dem Gleichgewicht. Dadurch können Säuren entstehen, welche die Schleimhäute durchlässig für Giftstoffe machen, welche in der Folge in den Organismus eindringen und diesen belasten.

  • Vor allem Melasse
    Melasse = Zucker. Und Zucker ist reine Energie, welche außerdem das Wachstum negativer Darmbewohner wie z.B. Hefepilzen fördert. Melasse ist in vielen Müslisorten und Mash enthalten und wird auch gern als Klebstoff für Pellets verwendet
  • weitere zuckerhaltige Futtermittel
    Sehr viel Zucker sind aber auch in folgenden Futtermitteln enthalten, was der Grund ist, warum diese gemieden werden sollten: Zuckerrübenschnitzel (auch die entmelassierten beihalten noch 5 - 16 % Zucker!), Mais, Johannisbrot, Bananen etc.
  • proteinreiche Futtermittel
    wie Klee, Erbsen, Bierhefe mit Biertreber, Luzerne und Soja

Zusatzfutter, die bei Hufrehe ungeeignet sind

Fast alle Zusatzfutter, welche Pferde in freier Natur nicht fressen, sind im Prinzip für Pferde ungeeignet. Dazu gehören insbesondere solche Futtermittel, welche das sensible System im Verdauungstrakt des Pferdes (ph Werte und Flora) beeinflussen.

Also alle Stoffe, die viel Zucker, Protein und Stärke enthalten (= viel Energie). Aber auch solche, die Pektine enthalten wie z.B. Zuckerrüben, rote Beete, Apfeltrester etc. Pektine sind zwar gut für den Magen, aber schlecht für das Milieu im Darm.

Weiterhin gehören dazu menschliche Nahrungsmittel, die für Pferde grundsätzlich negativ sind wie z.B. alle Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Mandarinen etc). Aber auch Bananen, welche nicht nur viel Zucker haben, sondern auch noch den Verdauungstrakt verkleben. Und so weiter.

Bei der Hufrehe-Fütterung tabu sind ebenso Küchen- oder Gartenabfälle (Hecken- bzw. Baumschnitt von ungeeigneten Pflanzen wie Buchsbaum oder Eibe). Diese sind als Futter bei Hufrehe absolut ungeeignet.

Pferd auf Wiese

Quellen / verwendete Literatur:

  • Bender, Ingolf (2000): Praxishandbuch Pferdefütterung. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Blobel, Karl (2010):Telefoninterview mit Dr. Karl Blobel, Tierarzt in Ahrensburg, am 18. Mai 2011
  • Bührer-Lucke, Gisa (2010): Expedition Pferdekörper. Stuttgart: Kosmos Verlag.
  • Meyer, Helmut und Coenen, Manfred (2002): Pferdefütterung. 4., erweiterte und aktualisierte Auflage. Berlin: Parey Buchverlag.
  • Rasch, Konstanze (2010) : Diagnose Hufrehe. Stuttgart:  Müller Rüschlikon
  • Schmidt, Romo und Häusler-Naumburger, Ulrike und Dübbert, Thomas (2002): Hufrehe. Vermeidung – Früherkennung – Heilung; Cham: Müller Rüschlikon Verlag
  • The Laminitis Trust: http://www.laminitis.org/
  • Vervuert, Ingrid (2010): Telefoninterview mit Dr. Ingrid Vervuert, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diäthetik der Veterinärmedizinischen Universität Leipzig am 19. Mai 2011.
  • Eigene Erfahrungen, Erfahrungen anderer Pferdehalter
  • Fritz, Christina (2012): Pferde fit füttern: Wie ich mein Pferd artgerecht ernähre. Schwarzenbek: Cadmos Verlag